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Donnerstag, 16. April 2009

Behindertenparkplatz

Gestern Abend - Bielefelder City - Behindertenparkplätze bei Mango um die Ecke. 3 Plätze vorhanden - 2 frei. Ich nehme den vorderen und während ich aussteige, kommt ein fetter Grand Cherokee gefahren und flätzt sich auf den Parkplatz vor mir. Vattern steigt aus mit nem etwa 1 jährigen, dunkelhäutigen Kind auf dem Arm. In mir breitet sich mal wieder die Wut aus, wie immer, wenn ich sowas sehe. Ich also zum Vatter im Schlabberlook:
"Sie wissen schon, dass das ein Parkplatz für Rollstuhlfahrer ist, oder?" Wer jetzt ein erschrockenes "Oh ja Mist, nicht gesehen?!" oder dergleichen erwartet, hat sich getäuscht, vielmehr kam ein trockenes "Ja, weiß ich!". Ansonsten keinerlei Regung außer der, dass er in Seelenruhe sein Auto abschloss. Darauf war ich nun nicht gefasst und stand etwas doof da und starrte ihn an. Dann fasste ich mich wieder und meinte
"Wegen so Leuten wie Ihnen kriege ich regelmäßig keinen Parkplatz!"
"Wieso, Sie haben doch einen!"
Und dann entbrannte eine Diskusion dahingegend, dass er der Auffassung war, solange ich doch eonen Platz gekriegt hätte solle mich das doch nicht weiter interessieren und überhaupt habe er doch ein kleines Kind dabei! Das war seine Antwort darauf, dass ich feststellte, dass er ja scheinbar gesunde Beine hätte auf denen er wunderbar ein paar Meter weiter gehen könne. Ich wusste garnicht, dass ein kleines Kind einen großen, starken Mann derart belastet, dass er als Behinderter durchgeht. Wie auch immer, er kam dann mit dem Standard-Argument "Es sind doch nur 5 Minuten!". Woher bitte soll das ein Rollstuhlfahrer wissen, der gerade jetzt um die Ecke kommt und den Platz braucht? Er war dann irgendwann genervt und machte Anstalten, sich woanders hin zu stellen. Da er ohnehin unbelehrbar schien, bin ich abgehauen. Als ich nach ca. 10 Minuten wieder kam, stand er tatsächlich immernoch da. Hat mich also schön verarscht. Aber nein nein, nicht mit mir. Also hab ich mein Handy gezückt und die Szenerie fotografiert! In dem Moment kam der Gute wieder und schüttelte unentwegt den Kopf und brummelte sich irgendwas in den nicht vorhandenen Bart. Ich dachte mir gut, erklärst du ihm nochmal in Ruhe, was denn eigentlich der Sinn eines solchen Parkplatzes ist, vielleicht versteht er es ja dann. Ich also hin und begann ihm zu erläutern, dass ein solher Parkplatz in der Regel größer und breiter ist und dass Leute wie ich, die z.b. eine Heckeinstieg haben, nur durch solche Parkplätze ordentlich Platz zum Ein- und Aussteigen haben. Und dass ich nicht ins Parkhaus kann weil ich dort an die Automaten nicht ran komme. Und dass Leute, die ihren Rolli mit der Hand fahren müssen, solche weiten Strecken nur schlecht zurück legen können...aber er hörte mir garnciht wirklich zu, stattdessen schimpfte er ich wolle ihm nur persönlich schaden und ihn nerven. Er wollte einfach nicht begreifen, dass es hier nicht nur um mich geht sondern grundsätzlich darum, dass immerwieder Nichtbehinderte "nur mal gerade 5 Minuten" auf diesen Parkplätzen stehen. Das, was ich täglich erlebe, erleben auch andere Körperbehinderte Autofahrer ständig, nämlich die Rücksichtslosigkeit mancher Nichtbehinderter Autofahrer. Klar, er war wirklich nicht lange weg, aber woran soll man das denn bitte erkennen? Er hatte doch schließlich kein Schild am Auto! Hätte er vielleicht Warnblinklicht angemacht, hätte man drauf kommen können. Hatte er aber nicht. Eine Politesse - das sagte ich ihm auch - hätte sich wohl kaum auf das 5-Minuten-Argument eingelassen! Im Ergebnis war der Typ absolut uneinsichtig. Hätte er von Anfang an Einsicht gezeigt, wäre es nie zu einer solchen Diskussion gekommen! Wie oft hatte ich schon Leute, denen das wirklich leid tat weil sie schlicht nicht drüber nachgedacht hatten! Viele versprachen mir schon, in Zukunft wirklich drauf zu achten, auch weil ich ihnen dargelegt hatte, wofür diese Plätze gut sind.

Oft habe ich aber auch das Gefühl, die Leute sind neidisch auf den Parkplatz direkt vor der Tür. Gerne frage ich dann, ob sie vielleicht tauschen möchten - sie kriegen die Behinderung, dafür dürfen sie dann privilegiert parken - ich parke stattdessen einfach weiter weg und gehe zu Fuß, was ich dann ja könnte. Das würde natürlich auch niemand wollen.

Manch Behinderter sagte mir schon es sei vertane Zeit, sich über sowas aufzuregen oder die Leute erziehen zu wollen. Das sehe ich nicht so, denn wenn jeder denken würde "Ach ich kann eh nichts ändern, bleibt es halt, wie es ist!", hätten wir wirklich ein Problem.

Schön war gestern noch, dass ein Typ etwa in meinem Alter das Ganze mitbekommen hatte. Ich sprach dann noch kurz mit ihm und er konnte meine Argumente voll verstehen und fand das Verhalten dieses Typen auch unmöglich! Ich bin überzeugt, dass zumindest dieser junge Mann in Zukunft immer darauf achten wird, wo er parkt! Es gibt also auch durchaus Menschen, die den nötigen Anstand mitbringen!

Ach und was mir im Nachhinein noch einfiel: Der Mann hatte als "Weißer" ein kleines "Schwarzes" Kind dabei - man hätte also gerade von ihm ein kleines bißchen mehr Verständnis erwarten können für Menschen, die anders sind, als andere!

An dieser Stelle noch mal an alle Leser: Behindertenparkplätze haben durchaus ihren Sinn und werden dringend benötigt! Das 5-Minuten-Argument zieht leider nicht, denn wenn ich einen Parkplatz suche sehe ich nur, dass er besetzt ist, und fahre weiter.

Zudem denke ich, die Zeitungen sollten gelegentlich auf diese Problematik hinweisen! Es wäre zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn es nur ein oder zwei Leute zum umdenken bzw. umparken bewegt, hat es schon was gebracht!

Ich jedenfalls werde immer wieder genau dasselbe machen!
Christiane76 - 16. Apr, 11:54

Gut gemacht

Hast Du gut gemacht! Ich sag den Leuten auch immer was und wenn sie nicht wegfahren und frech werden, hab ich auch kein Problem, die Polizei anzurufen. Manche fahren ja nicht mal weg, wenn es keinen Parkplatz gibt und ich gerne parken möchte und mit dem Parkausweis winke oder mit ihnen rede.

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