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2 Engel für Bielefeld
 

Geschichten aus dem Leben einer Kassiererin

Dienstag, 22. September 2009

Warum ich wurde, was ich heute bin...

Leute, ich bin endlich dahinter gekommen, WARUM ich mir eigentlich all diese Geschichten antun muß, die ich hier in diesem Teil unserer Blog-Site niederschreibe. Bisher hatte ich immer gedacht, es wäre ein blöder Zufall gewesen. Schließlich hatte ich mich damals, ein Jahr vor meinem Abitur, als ich plötzlich einsehen mußte, dass sich meine Arminia Bielefeld-Sucht leider nicht nur mit Taschengeld finanzieren läßt, zunächst einmal im Obi zum Arbeiten angeboten - aber die wollten mich ja nicht.
Tja, und so bin ich da gelandet, wo ich noch heute arbeite - Zufall eben.

Aber nein! Weit gefehlt!

Bei meiner Suche neulich im Keller (bei der auch die alten Briefe und Briefbücher aufgetaucht sind, die jetzt in einer weiteren Kategorie auf dieser Site gnadenlos offenbart werden!)fand ich auch mein altes "Klassenbuch" - eigentlich mehr ein Grundschul-Erinnerungsbuch, dass wir am Ende der 4. Klasse selbst gestaltet hatten. Neben allerlei lustigen Anekdoten von Klassenfahrten und -ausflügen hat natürlich auch ein jedes Kindlein der Klasse einen Steckbrief über sich selbst verfaßt!

Was ich da bei meinem eigenen Steckbrief geschrieben fand - von mir damals höchstselbst wohlgemerkt!!! - raubte mir mal so ziemlich die Puste! Und verleitete mich gar zu einem verzweifelt gestöhnten: "Na, kein WUNDER!"

Doch seht selbst! Und urteilt!

Lieber nicht...gut, daß man das Foto wenigstens nicht erkennen kann... :-)

Hier ein paar Anmerkungen in Order of Appearance:

1. Es gab noch 4stellige Postleitzahlen mit Stadtteilnummer dahinter! Da sieht man mal, wie lange das her ist, daß ich in der 4. Klasse war...*seufz*
2. Das KANN nur gelogen gewesen sein! Oder warum bin ich auf dem Gymnasium in diesem Fach völlig abgekackt? Und hab Linguistik studiert? HMMM?
3. DAZU muß ich ja wohl nichts sagen! Ein Fluch lastet auf mir! Blöderweise ein selbstauferlegter....Ziemlich dumm.
4. Also das scheint mir abgesehen vom Namen das einzige zu sein, wo ich beim Ausfüllen mal ehrlich gewesen bin *g*

Sonntag, 3. Mai 2009

Hilfe, mein MezzoMix schäumt...

Gestern hatte ich wieder einen gar arbeitsreichen Samstag. Sowieso schon gefrustet darüber, dass ich an einem schönen und sonnigen Samstag auch noch Spätschicht habe, wurde meine Laune nicht gerade besser, als mir bei meinem EIntreffen im Markt schon erzählt wurde, dass es brechend voll gewesen sei und auch "wieder nur Bekloppte" unterwegs seien.

Nach einer halben Stunde an der Getränkemarkt-Kasse hatte ich bereits zwei Stornos (darunter einen, weil ein Kunde sich doch glatt darüber beschwerte, dass er für eine Flasche Bionade 18,99 € zahlen sollte, so wie es offensichtlich im Kassensystem gespeichert war!) und schon keine Lust mehr.

Im Laufe des weiteren Spätnachmittags und Abends wurde auch mir schnell klar, dass WIRKLICH eine Menge bekloppte Leute unterwegs waren.
Wie zum Geier kann man sich sonst erklären, dass ein Typ reinkommt, eine Flasche MezzoMix auf den Tresen stellt mit den Worten "Die hab ich hier eben gekauft und will die umtauschen, die ist nicht in Ordnung!" und DANN auf die Frage, WAS denn damit nicht stimme, allen Ernstes antwortet: "Die hat total geschäumt als ich die aufgemacht hab!".

Mein Kollege und ich guckten uns etwas ratlos an und sagten dann beide gleichzeitig: "Das ist doch normal, da ist doch auch Kohlensäure drin!".
Nein, aber wenn die so schäumen würde, dass da beim Öffnen gleich alles rausspritzt dann könne da ja wohl was nicht mit in Ordnung sein! So zumindest die Meinung des Kunden!

Vorsichtige Frage seitens meines Kollegen: "Haben Sie die vielleicht aus Versehen geschüttelt...?"
Nein, im Leben nicht. Natürlich nicht.

Ewiges rumlamentieren. Mein Kollege und ich weigerten uns aber beharrlich, denn wir konnten nun WIRKLICH nichts Seltsames an einem schäumenden MezzoMix finden. Argumente wie mein vorgebrachtes: "Ich würde mich ja eher beschweren, wenn der beim Aufmachen NICHT schäumt!" oder die Vermutung, dass die Flasche vielleicht durch einen anderen Kunden zuvor schon in Bewegung geraten oder vielleicht sogar runtergefallen war, wurden vehement ignoriert.
Als der Punkt kam, an dem ich am liebsten gesgat hätte: "Dann kaufen Sie doch nächstes Mal stilles Wasser, das schäumt bestimmt nicht!", kam der Kumpel des Mannes rein, dem das Ganze wohl zu lange dauerte.

Der gute Mann hatte ja nun von der ganzen Diskussion NICHTS mitgekriegt, rief aber schon quasi von der Tür aus: "Die ist nicht in Ordnung, NEHMEN Sie doch mal nen Schluck!". Auf die Frage meines Kollegen: "Ach, die SCHMECKT auch komisch?" kam doch tatsächlich die Antwort: "Weiß ICH doch nicht, wir probieren doch nicht was, was offensichtlich nicht in Ordnung ist!"!

Da waren wir dann auch komplett bedient irgendwie. Auch auf die Aufforderung "Dann RIECHEN Sie doch wenigstens mal!" und das anschließende Schnuppern an der Flasche unsererseits brachte keine Erfolge, da wir einstimmig der Meinung waren: "Riecht ganz normal, wie MezzoMix eben!".

Brummelnd holten sich die beiden eine Kiste Bier und zwei weitere Flaschen MezzoMix (die ich natürlich voll berechnete, also BITTE!), nur um DANN die beiden Flaschen auf die Bierkiste zu legen, und die Kiste gemeinsam herauszutragen - die aufgrund des Größenunterschieds der beiden Männer extrem schlenkerte. Und mir der Kiste schlenkerten auch...richtig, die MezzoMix-Flaschen!

Daß die beiden die nicht auch noch reklamieren wollten, grenzt für mich schon an ein Wunder....

Mittwoch, 15. April 2009

"Also, das finde ich wirklich blöd..."

Heute. Ich grad allein im Getränkemarkt.
Ein Kunde kommt an die Kasse: um die 40, Anzug, ziemlich schnieke und auch auf den ersten Blick ziemlich schnöselig und überheblich.

Er baut sich vor mir auf und knallt mir eine Wasserflasche auf den Tresen. Verzeihung: eine Flasche Wasser mit Zitronengeschmack. Muß ja alles seine Richtigkeit haben hier, gell?!
Also: er knallt mir diese Flasche Wasser mit Zitronengeschmack auf den Tresen mit den Worten: "DAS hab ich gerade hinten gefunden. Also das finde ich wirklich blöd, das haben Sie da PALETTENWEISE stehen!".

Ratloser Blick meinerseits. Was meint der Kerl? Hat er was gegen dieses Wasser oder was? Und wenn ja - warum kann er das nicht wohlwollend übersehen, dass wir von dem ihm offensichtlich verhassten Wasser frecherweise gleich mehrere Kisten (Paletten hielt ich persönlich von Anfang an übertrieben...) im Laden haben...?

Der Schnösel-Kunde interpretierte meinen ratlosen Blick richtig und hielt mir die Flasche jetzt unter die Nase. "Da!" sagte er und wies auf das Haltbarkeitsdatum. In Erwartung, ein gar haarsträubend weit vom heutigen Tag entferntes Datum zu erblicken las ich: "14.09.09". Fragend sah ich den Kunden an. War ich jetzt einfach zu blöd, den Sinn und Zweck dieser Nölerei zu verstehen???

Das dachte der Kunde anscheinend auch. Als hätte er es mit einem besonders schweren Fall von geistiger Mindebemittelung zu tun, echauffierte er sich hochgradig genervt: "Das ist gestern abgelaufen!".

Ratlos guckte ich abwechselnd den Kunden und das Haltbarkeitsdatum auf der Flasche an. Aber an beidem änderte sich nicht wirklich was. Also sagte ich - zugegebenermaßen reichlich unkreativ - : "Wieso? Wir haben doch nicht September!".
Der Kunde fand das nicht witzig, war aber mittlerweile anscheindend genauso verwirrt wie ich, denn er maulte: "Wir HABEN schon 2009! Und heute ist der 15.!".

Da ich keine Lust hatte, weiter von einem schnöseligen Schickimicki-Futzi, der offensichtlich nicht mal LESEN kann, behandelt zu werden, als wäre ICH diejenige, die sich gerade völlig zum Affen macht, hielt ich ihm nun meinerseits die besagte Flasche unter die Nase und verwies auf das Haltbarkeitsdatum.

Auf mein verzweifelt bis genervtes "Ja, und das ist bis zum vierzehnten NEEEEEEEUNTEN ZweitausendNEEEEUN haltbar - das ist meines Wissens nach noch ein halbes Jahr hin!" fiel bei ihm dann der Groschen: "Ach SEPTEMBER...wir haben ja April...".

Ach was.
Da haben wir es ja mal mit einer GANZ schlauen Spezies zu tun.
Und dieses Prachtexemplar lief nun schön langsam rot an, vom Hals an nach oben aufwärts.
AAAABER: als stolzes und schniekes männliches Vorzeige-Alpha-Tier gibt man natürlich NICHT zu, gerade völlig blöd gewesen zu sein.
NEIHEIN! Mitnichten.

Man warf mir noch ein trotziges: "Ja aber letztens hatte ich ne Flasche, die war auch nur noch ne Woche haltbar - scheint hier wohl häufiger vorzukommen." und rauschte davon.

Schön, wenn das Ego dann doch größer ist als das Hirn...

Montag, 9. März 2009

O-Milch und Mopping

Also, ich habe das heute mal geklärt: die Lippstädter Orangenkühe geben natürlich KEINE Fanta! Wo sollte denn da auch die Kohlensäure herkommen?? Nein, die geben O-Milch! Ist doch logisch...

Mir ist übrigens noch eine sehr spaßige Begebenheit eingefallen, die ich der Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte.

Besagte Kollegin und ich gingen nach Feierabend noch zusammen im Markt einkaufen. Natürlich bereits umgezogen und somit in Zivil und für andere Kunden nicht als Mitarbeiter erkennbar.

Als wir an einem - noch arbeitenden - Kollegen vorbeikamen, rief der uns gespielt streng zu: "Entschuldigung - habt IHR nicht Hausverbot hier??!!". Wir riefen entrüstet, dass solche infamen Beleidigungen ja wohl ganz eindeutig dem Oberbegriff "Mopping" zuzuordnen seien und wir mal den Chef des Ladens zu sprechen wünschten.

(Wir sprechen gerne mal Sachen total bekloppt aus, sollte ich an dieser Stelle vielleicht mal erwähnen. Da wird dann auch "Liebe" zu "Libbe", mit dem entsprechenden Adjektiv "verlippt" oder
"Erotik" zu "Errottick". Oder eben "Mobbing" zu "Mopping")

Jedenfalls entbrannte ein Wortgefecht, in dem das Wort "Mopping" sicher noch 2-11 mal fiel. Wir lachten alle drei sehr herzlich und meine Kollegin und ich zogen unseres Wegs.
Etwa drei Gänge weiter näherte sich uns verlegenen Gesichts ein Kunde. Er schlich total auffällig um uns rum, und als wir uns schon total auffällige Blicke und Gesten zuwarfen, traute er sich schließlich, uns anzusprechen.
"Entschuldigung, darf ich Sie mal was fragen...?!"
Wir war en gespannt. Und wir hatten wahrscheinlich mit viel gerechnet, aber sicher NICHt mit dem Kommenden:
"Also ich hab da eben zufällig mitbekommen, wie Sie sich da unterhalten haben...und ich mag mich gefragt...also....heißt das nicht eigentlich Mobbing?!".
Etwa eine Sekunde (es waren allerdings gefühlte 20), war es ganz still. Ich war komplett sprachlos und wenn ich hätte sprechen KÖNNEN, dann hätte ich den Kunden natürlich aufgeklärt. Erstens hätte ich lachen müssen und zweitens ein ganz ganz arg schlechtes Gewissen gehabt.

Anders natürlich meine Kollegin. Die erwiderte toternst: "Nein nein, das heißt Mopping!".
Und er: "Sind Sie sicher, dass es nicht Mobbing mit b heißt!? ich meine, ich hab das mal gelesen...".
Sie: "Nein, da sind Sie falsch informiert. das heißt Mopping mit Doppel-p!".
Und er, ganz bedröppelt: "Oh...dann hab ich das immer falsch gesagt! Na ja, aber vielen dank für die Aufklärung, und schönen Tag noch!".

Antworten konnten wir leider beide nicht mehr. Wir waren dem frühzeitigen Erstickungstod sehr, sehr nahe....

Samstag, 7. März 2009

Die Lippstädter Orangen-Kühe

Mir fiel die Tage auf, dass meine Beiträge über meine Arbeit einen zunehmend bitteren Beigeschmack bekommen haben. Und sicher wird sich schon der eine oder andere gedacht haben: "Warum kündigt die Alte da nicht einfach???".

Diese Frage möchte ich heute beantworten. Mal ganz abgesehen davon, dass ich froh bin, mir meine Miete und ab und zu auch mal eine George Gina & Lucy-Tasche leisten zu können (ein bißchen Luxus darf ja wohl auch mal sein!) - es gibt tatsächlich auch positive Dinge an meinem Job!!

Zum Beispiel arbeiten mit meiner Lieblingskollegin (ich muss das hier so schreiben, weil sie und/oder ihre Tochter das hier sicher lesen werden und ich dann wieder Haue kriege - also Grüße an euch zwei Schabracken!! *g*).
Wir haben uns ganz einfach von der Doofheit mancher Kunden anstecken lassen und labern den lieben langen Tag nur Scheiße miteinander. Und lachen uns dabei kaputt.
Das geht schon morgens gleich los, wenn ich zur Arbeit komme und sie schon da ist. In etwa läuft das dann so ab:

Ich komme um die Ecke.
Sie, total genervt: "Boah MUSS das schon wieder sein, du hässliches Gestell, auf NÜCHTERNEN Magen?".
Ich, im gleichen Ton: "Hör bloß auf, mir ist auch schon wieder schlecht. Soviel Elend am frühen Morgen...wer soll DAS aushalten??!".
Gerne wird dieser Dialog auch mal mit fröhlichen Würgegeräuschen untermalt.

Auch heute wieder wurde ich völlig zusammenhangslos von links gefragt: "Sag mal...dein Aussehen...BLEIBT das so bis Montag - oder was!!!??". Worauf eine Diskussion folgte, ob eine Enthauptung mein Äußeres wohl positiv beeinflussen könnte und wenn ja, wo auf die Schnelle und vor allem am Wochenende wohl am Besten ein Henker aufzutreiben sei...

So weit, so gut. Wir haben Spaß inne Backen - und das ist die Hauptsache! Das Leben ist ernst genug. Nur manchmal fragen wir uns dann doch, was manche Leute wohl denken (würden), wenn sie uns bei so einem Müll zuhören (würden). Wie heute, als sich Folgendes ereignete und uns zu einem Dialog geistiger Höchstleistung motivierte:

Ein Kunde leicht verwirrter Natur kam in den Laden und fragte nach einem Getränk aus Lippstadt. Und zware genauso: "Ich suche das Getränk aus Lippstadt.". Keine weiteren Infos. Ratlos schickten wir ihn auf die Suche. Nach kurzer Zeit kam er freudestrahlend mit einer Flasche Fanta wieder.

Nachdem ich die Flasche kassiert hatte und der Kunde fröhlich von dannen zog, sagte meine Kollegin grinsend zu mir: "Voll das typische Getränk aus Lippstadt, weißte Bescheid ne!".
Ich: "Ja klar mann, Fanta kommt aus Lippstadt, WEISSTE das nich?! Da wachsen doch die BERÜHMTEN Lippstädter Orangen!"
Sie: "Ach ja, auf´m Bauerhof, ne?"
Ich: "Ja, inne Erde drin nämlich!"
Sie: "Nää, gar nich wahr, Orangen wachsen aufe KÜHE!"
Ich: "Voll nich, inne Erde drin! Happich doch geSEHEN!"
Sie: "Kannste gar nich, weil ICH nämlich weiß, dass die aufe Kühe wachsen! Aufe Kühe wachsen doch ORANGENBÄUME drauf!".
Ich: "Ach ja, jetzt weiß ich´s auch wieder...ich hatte jetzt irgendwie gedacht, Orangen wachsen inne Erde drin..."
Sie: "Nein, was DU meinst, ist Mett!"
Ich (schlage mir an die Stirn): "Ach JA!" Mensch, das verwechsel ich JEDES Mal! Orangen und Mett SIND sich aber auch ähnlich...".

Und das Ganze vorgetragen in absolutem Ernst. Ist DAS krank? Ist es da ein Wunder, dass wir irgendwann nicht mehr können vor Lachen?
Aber wie gesagt: man braucht eben was, um die ganze Nerverei da zu kompensieren. Und was wäre da besser für geeignet als eine gehörige Portion Scheißelabern...?

Bleibt die Frage: wenn auf Lippstädter Kühen Orangen wachsen - geben die dann statt Milch Fanta, oder wie läuft das ab? Ich muss das am Montag mit meiner Kollegin weiter erörtern...

Donnerstag, 26. Februar 2009

Ein ernstes Wort…

Meine liebe Gemeinde, es ist mal wieder Zeit für ein erstes Wort an alle Kunde unter euch – ich schätze mal, das betrifft so ziemlich jeden *g*.

In diesen Zeiten, in denen man in einem berühmten deutschen Boulevard-Blatt Schlagzeilen wie „Kaisers Kassiererin wegen 1,30 € gefeuert“ lesen kann, scheint es mir angemessen, euch mal einen Blick quasi „hinter die Kulissen“ zu gewähren.

Natürlich werden wir an der Kasse geschult, gedrillt und kontrolliert. Kann ja nicht jeder machen, was er will, wo kämen wir denn da hin? Und bei uns ist es im Moment schon eine Art Trend, dass ständig Testkäufer auf der Matte stehen. Für alle, die sich darunter nichts vorstellen können: Testkäufer sind Pseudo-Einkäufer, die an allen möglichen und unmöglichen Stellen im Einkaufwagen und auch sonst teure Waren verstecken, um zu gucken, ob man auch alles fein kontrolliert. Was genau dabei gemacht wird, werde ich jetzt nicht im Einzelnen aufführen, ich will ja keinen auf dumme Gedanken bringen ;-)

Jedenfalls lasst euch gesagt sein: diese Testkäufer sind verdammt fies. Und: findet man auch nur eine Sache nicht, gibt es eine Abmahnung. Und: seit etwa Oktober finden fast jede Woche Testkäufe bei uns statt, die von mal zu mal fieser werden. Und deswegen hat es schon jede Menge Abmahnungen gehagelt. Wen wundert es da also, dass im Moment bei uns so die Panik umgeht, dass man an der Kasse am liebsten mit Lupe und Metalldetektor in und um jeden einzelnen Einkaufswagen herum kriechen möchte?

Klar ist das ätzend und zeitraubend. Nicht nur für die Kunden, sondern auch für uns. Einige Kunden sind verständnisvoll, zeigen einem schon alles und wirken kooperativ mit. Aber natürlich gibt es wie immer auch einige, die murren, meckern oder rumschnauzen. Irgendwo kann ich´s verstehen, aber andererseits finde ich, muss man auch verstehen, dass da ARBEITSPLÄTZE auf dem Spiel stehen. Und da ist ja nun mal in der heutigen Zeit nicht mehr mit zu spaßen…

Wenn ich dann aber höre, dass eine Kundin voll den Radau gemacht haben soll, weil sie ihrer Meinung nach zu genau kontrolliert worden sei – dann frage ich mich doch, wo wir eigentlich hin gekommen sind. Auf dem Höhepunkt ihres Kollers soll die Kundin wohl – soweit ich das mitbekommen habe – ihre Jacke ausgezogen und der Kollegin oder dem Kollegen hingeworfen haben mit den mehr gekreischten als gesprochenen Worten: „Da! Da können Sie dann auch noch nachgucken, ob ich auch nichts in den Taschen habe! Und oh! Wollen Sie vielleicht auch noch meine Hosentaschen kontrollieren, ja?“.

Kinder, sowas MUSS ja wohl nicht sein oder? Kann man denn wirklich so verbohrt und … ASI sein???

Ach ja, und: ich wollte ja immer mal ein Buch schreiben, indem ich alle meine Erlebnisse verarbeite, so wie hier. Auch für meinen inneren Seelenfrieden und so … nur leider musste ich ja jetzt feststellen, dass mir eine Französin zuvor gekommen ist. Frechheit. Allerdings glaube ich kaum, dass sie mit meinen Geschichten hier mithalten kann…

Sonntag, 11. Januar 2009

Wutanfall

Getsern war es soweit. Gestern hätte es ein Kunde fast geschafft, mich zu einem handfesten Wut- und wahrscheinlich auch Heulanfall zu treiben! Traurig, aber leider wahr.

Sowieso schon vorbelastet durch

a) eine proppenvolle Hütte, schlimmer als zu Weihnachten (weil die ganze Woche wegen der Kälte natürlich nur einkaufen war, wer unbedingt musste)

b) wegen a) größtenteils völlig angepissten und undfreundlichen Kunden (schon verständlich, aber MUSS man das immer an den Kassenleuten abreagieren???? Ich finde nicht!)

c) ein Erlebnis oben an der Kasse, bei dem ein Pascha der widerlichstgen Art an MEINER Kasse mit seinem Sohn den Dicken markierte, Millionen Sachen auf dem Band hatte und die ganze Zeit total proletenhaft mit einem 500€-Schein vor meiner Nase rumwedelte, dann aber seiner Frau kein Make-Up für unglaubliche 7 € bezahlen wollte

war diese letzte Geschichte zu viel des "Guten" für mich. Die ganze Geschichte wird noch folgen, vorerst nur so viel:

Ich denke, wenn ich mich erst von einem Kunden derart anscheißen lassen und mich der Lügerei und Dummheit bezichtigen lassen, ihm dann meinen Namen buchstabieren, weil er zu blöd ist, den von meinem Namensschild abzuschreiben und letztendlich den stellvertretenden Geschäftsleiter rufen und mir dann anhören muss, wie der Kunde diesem regelrecht ins Gesicht lügt, während ich DANEBEN stehe - dann denke ich, kann man es mir nicht verübeln, dass ich vor Wut und immenser Selbstbeherrschung noch ne halbe Stunde später am Zittern war wie ein Junkie auf Entzug! Und daß, obwohl mich der stellvertretende GL netterweise wirklich verteidigt und in Schutz genommen hat, wofür ich ihm auch sehr sehr dankbar bin.

Langsam wundert es mich nicht mehr, dass immer mehr meiner Kolleginnen plötzlich wochenlang fehlen, weil sie einen Nervenzusammenbruch hatten...

Was ist eigentlich aus der guten alten Höflichkeit geworden?????

Mittwoch, 7. Januar 2009

Seufz...

Ja, auch von mir ein frohes Neues allerseits!
Das auf Saskias Fotos bin übrigens gar nicht ich, sondern meine stark alkoholisierte Zwillingsschwester...nach unter anderem zwei Absinth!! *hüstel*

So, Montag ging die Arbeit wieder los und dank Tiefschnee und Eiseskälte war der Arbeitstag auch schnell wieder rum. Als ich mit meiner Kasse durch den Laden schnellte (wenn´s um Feierabend geht, kann ich SEHR schnell sein, erwähnte ich das schon...?), wurde ich - wie so oft - von einem Kunden mit den Worten "Ach, entschuldigen Sie..." aufgehalten. Im Regelfall ärgert mich das zutiefst, denn zur Feierabendzeit entwickle ich gerne mal einen gar männlichen Tunnelblick.
Diesmal dachte ich aber: "Oha, das neue Jahr fängt gar nicht mal so schlecht an!" - denn der Kunde war in meinem Alter und tatsächlich mal ziemlich gutaussehend!

Ich setzte also mein bezauberndstes Lächeln auf und versuchte geflissentlich zu vergessen, dass ich in einer total unförmigen, weil viel zu großen und grünen Männer(!!)weste steckte, da man sich momentan im Getränkemarkt gelinde gesagt den Arsch abfriert.

"Ja bitte?" flötete ich und klapperte kokett mit den Wimpern. Vom lasziven Haare-über-die-Schulter-Zurückschmeißen wurde ich dann allerdings brutal abgehalten - und zwar davon, dass der Typ mir eine Packung unter die Nase hielt mit einer langen(!), weißen (!) Doppelripp (!) Unterhose (!) und das noch mit den Worten: "Haben Sie auch noch ANDERE lange Unterhosen???".

Meine Illusionen waren dahin. Freundlich ausgedrückt. Frustriert schlich ich von dannen - da half auch das hastig hinterhergeschmissenene "Zum Skifahren!!!" seinerseits nicht mehr viel.

Also wenn DAS ein Omen für dieses Jahr gewesen sein soll... seufz.

Mittwoch, 5. November 2008

Kunden-Argumentation

Für mich als – mittlerweile ausgelernte, höhö – Sprachwissenschaftlerin gibt es ja nichts Schöneres als Argumentation. Was mich dagegen natürlicherweise in den Wahnsinn treibt, sind Argumente, die gar keine sind. Und gerade diese werden von Kunden, die meinen, sie wären es, sehr gern genutzt.

Ich habe drei Favoriten, die, wenn sie fallen, eine Menge Aufschluss geben über denjenigen, der sie benutzt. Hört man eines dieser drei Pseudo-Argumente, kann man drei Dinge mit Sicherheit über den Benutzer sagen:

1.Er hat irgendein Anliegen, das völlig abstrus ist und er WEISS das auch. Er wird aber alle daran setzen, es TROTZDEM durchzusetzen, denn er liebt Machtspielchen.
2.Es handelt sich in der Regel um ein armes Würstchen, das ansonsten nicht viel zu melden hat – wahrscheinlich weder privat noch im Beruf. Man sieht hier seine Chance, mal so richtig auf die Kacke zu hauen und sich selbst (oder anderen) zu beweisen, dass man´s draufhat.
3.Diese Menschen WOLLEN meckern! Sie suchen die direkte Konfrontation! Sie erwarten überhaupt nicht, dass sie sofort kriegen, was sie wollen, das würde sie ja auch gar nicht befriedigen. Sie wollen diskutieren, runterputzen und ein richtiger Arsch sein – nur dann können sie einen Sieg so richtig auskosten.
(Da spricht eindeutig die Psychologin in mir…für weitere Lektüre siehe meine Magisterarbeit *g*)

So, nun fragt sich sicher alle Welt, wie diese drei Wunder“argumente“ denn aussehen, die soviel Interpretation zur Person zulassen. Sie seien euch genannt:

1. „Das ist nicht MEIN Problem!“
Der Klassiker schlechthin. Wenn man sonst kein Argument hat, kann man immer noch so argumentieren, dass ein Fehler seitens des Unternehmens vorliegt, was natürlich eine Unverfrorenheit sondergleichen darstellt. Schade nur, dass die meisten Benutzer dieser Floskel nicht folgendes nicht bedenken: Wenn es nicht IHR Problem ist – warum stehen sie dann da und beschweren sich drüber?
2. „Dazu sind Sie verpflichtet!“
Wird auch sehr gerne benutzt. Soll dem Mitarbeiter vor Augen führen, dass er seine Pflichten verletzt, was, in den Augen der meisten Kunden, einer Straftat gleichkommt. Und das muss natürlich geahndet werden. Außerdem soll es den Eindruck vermitteln, dass man Autorität besitzt, weil man den Mitarbeiter drauf hinweisen kann, was seine Pflichten sind. Blöd nur, dass kaum jemand weiß, wer wirklich wozu „verpflichtet“ ist. „Verpflichtet“ ist man in der Regel zu erstaunlich wenig!
3. „Das steht im Gesetz!“
Uha, ganz heißes Eisen. Mal ganz ehrlich: wer außer Justisten (ne, Saskia? *g*) weiß schon so genau, was wirklich im Gesetzt steht??? Nicht umsonst gibt es in dieser Sparte mit die meisten Irrtümer! Ich glaube, vielmehr muss ich dazu nicht sagen…
Soviel also zu fadenscheiniger Argumentation.

Den einen Satz, manchmal auch sogar zwei, hört man in sehr vielen Diskussionen. Neulich aber wurde mir eine ganz besondere Ehre zuteil: ich hörte sie alle drei, nicht nur in einem Satz, sondern sogar in einem ATEMZUG! Zum Glück waren sie nicht an mich gerichtet…

Aber ich fange mal besser von vorne an.
Ich hatte Feierabend und stiefelte vom Getränkemarkt quer durch den Hauptmarkt nach oben. Die letzte Hürde nach vielen Kunden, die einen auf dem Weg zum heißersehnten Feierabend noch mit so unnötigen Fragen wie „Entschuldigung, können SIE mir sagen, wo ich diese Süßungs-Bröckchen finde?“ (…? WAS soll das sein???? Ich tippte bei dieser Frage eigenmächtig auf stinknormalen Süßstoff oder sogar popligen Zucker und schickte die Kundin mal grob in die Richtung…) aufhalten können, ist die Info, wo einem meistens noch wartende Kunden im Weg rumstehen.

So auch jetzt wieder. Mit einer kleinen Ausnahme – nicht der wartende Kunde stand im Weg, sondern der Chef persönlich. Offensichtlich im Clinch mit einem Kunden, der ohne Punkt und Komma auf den Chef einmeckerte.
So, am Chef kann man sich ja nun nicht einfach mal so mit den Worten „Wech – ich hab Feierabend!!“ vorbeidrängeln. Nein, wenn man noch ein bißchen in der Firma arbeiten will, stellt man sich brav hinten an. Und muss dann doch tatsächlich hören wie der Kunde dem Chef entgegen schleudert: „Das ist mir völlig egal, das ist nicht mein Problem, SIE sind dazu verpflichtet, das steht sogar im GESETZ!“.

Huch! Das sind ja gleich DREI Sachen auf einmal! GEHT das denn? Ja, das geht. Dank Kunden-Überraschung. In jedem 7. Kunden steckt eine explosive Überraschung – und die ist leider NICHT mit Schokolade umhüllt, geschweige denn in einem kleinen, gelben Plastik-Ei versteckt. Leider.

Aber so sensationsgeil wie ich ja auch bin – auf Feierabend bin ich noch geiler und so drängelte ich mich äußerst unfein mit den immerhin höflich angehauchten Worten: „Tschuldigung – darf ich mal eben…?!“ am Chef vorbei (der gerade anfing zu sagen: „Das stimmt so nicht und Sie können ja auch nicht beweisen…“), durch eine geballte Ladung Aggression hindurch („MOOOment, ich habe hier den KONTOAUSZUG!!!“) und ab ins Kassenbüro zum Zählen.
Als ich oben stand, um meine Abrechnung kontrollieren zu lassen, fragte ich vorsichtig an, worum es denn bei der Auseinandersetzung ginge und erfuhr Folgendes:

Dieser Kunde hatte vor ca. 11 Monaten einen Gefrierschrank bei uns erstanden – wohlgemerkt, noch in unserem alten Warenhaus. Dieser war nun kaputt. Eigentlich kein Problem, denn schließlich war auf dem Teil Gottseidank gerade noch Garantie drauf. Es gab nur folgendes Problem: der Kunde hatte den Kassenbon nicht mehr. Und da ist die Garantie natürlich hinüber. Er war aber nun der Meinung, dass es unsere, gesetzlich abgesicherte Pflicht sei, seine Bons gefälligst im System aufzubewahren, damit er sie in Fällen wie diesem, bequem neu bekommen könne.
Mal ganz abgesehen davon, dass der Kauf wie gesagt schon 11 Monate her war, wir in der Zwischenzeit umgezogen sind und in der Zwischenzeit gleich 2x das Kassensystem wechseln mussten, u.a., weil wir von einem anderen Konzern aufgekauft wurden…konnte der Kunde nicht einmal genau sagen, WANN er das Gerät gekauft hat. Geschweige denn, was es gekostet hatte. Er hatte allerdings einen Kontoauszug aus der Zeit dabei, auf dem sich eine Abbuchung unseres Warenhauses über 300 und ein paar zerquetschte Euro befand (immerhin war es kein DM-Preis mehr…), was den Kunden zu der Überzeugung brachte, das Gerät müsse „wohl so 299 Euro“ gekostet haben. Und über diesen Betrag wollte er nun, wenn er schon den Originalbon nicht haben könnte (zumal wir ja nun wie gesagt, gesetzlich verpflichtet seien), doch bitte einen neuen Bon gedruckt bekommen. Auf dem die Gefriertruhe steht. Die er vor 11 Monaten in einem streng genommen ganz anderen Laden gekauft hatte…

Also manchmal zweifle ich am Verstand mancher Menschen…

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Herzallerliebste Kundschaft

Neulich im Getränkemarkt.
Meine Kollegin und ich steckten bis zum Hals in Arbeit. Da näherte sich mir von schräg hinten ein Mädel, etwa in meinem Alter, mit drei ziemlich außergewöhnlich geformten Sinalco-Flaschen und fragte mich, warum der Leergut-Automat die nicht annehmen würde. Ich erklärte ihr fröhlich, dass es sich bei ihren Flaschen um Gastronomie-Größen handle, die nur Großmärkte oder aber einige Tankstellen führen und wir die nicht annehmen könnten, da wir keine entsprechenden Kisten dafür haben und unsere Lieferanten verständlicherweise keine Einzelflaschen mitnehmen würden, die wir nicht von ihnen bekommen haben.

Sie zeigte sich beeindruckt ob meiner Erklärungswut, lächelte freundlich und verständnisvoll, bedankte sich und ging zu ihrem Kerl, ebenfalls nicht viel älter als ich, der noch am Leergut-Automaten rumhantierte, um ihn ebenfalls aufzuklären.
Der allerdings hatte gleich was zu meckern. Ich hörte mal wieder Fetzen meiner Lieblingsargumentation, die gern von Kunden angewendet wird, die ihren Willen unbedingt durchsetzen möchten: „Das ist nicht mein Problem!“, „Die sind dazu verpflichtet!“ und (im Getränkemarkt mein absoluter Lieblings-Irrtum): „Die MÜSSEN das annehmen, jeder muss doch jetzt ALLES annehmen!“. Abschließend sagte er zu seiner Freundin so etwas Reizendes wie: „Geh da noch mal hin und sag denen das!“. Was genau sie antwortete, konnte ich nicht verstehen, es klang jedoch sehr ärgerlich und sie kam NICHT zu mir zurück.

Ich vergaß das Pärchen für den Augenblick, schließlich hatte ich ja auch genug zu tun! Bis zu dem Moment, in dem ich meine Kollegin sagen hörte: „Oh, das weiß ich aber nicht, da muss ich erstmal meinen Kollegen fragen, ob ich die annehmen darf!“. Da stand er, der Held der Nation, und versuchte ganz dreist, die Flaschen, die seine Freundin bei mir nicht losgeworden war, meiner Kollegin anzudrehen. Die wiederum war lange Zeit nicht mehr im Getränkemarkt gewesen und sich dementsprechend unsicher.

Während er schon wieder anfing mit: „Da ist aber Pfand drauf und den will ich wiederhaben!“, sagte ich laut genug, damit er es auch mitkriegt: „Das sind Gastronomie-Flaschen, eine Sondergröße, die wir nicht zurücknehmen können. Das habe ich doch der Frau da eben schon erklärt!“. Apropos „die Frau da“ – wo war die eigentlich? Ich drehte mich um und da stand sie – an der Tür und offensichtlich nicht gewillt, sich die Penetranz ihres Freundes aus der Nähe anzutun. Entschuldigend und genervt gleichzeitig grinste sie mich schief an.

Ihr Kerl hingegen ignorierte mich völlig. Meine Kollegin wiederholte also für ihn: „Ja also die nehmen wir nicht, weil das Sondergrößen sind.“. Worauf er hin mit vor Arroganz triefender Stimme sagte: „Die MÜSSEN Sie nehmen. Das sind Pfandflaschen!“. Meine Kollegin, selbstbewusst: „Das mag ja sein, trotzdem MÜSSEN wir nur das zurücknehmen, was wir verkaufen. Und da wir diese Falschen nicht führen UND das zudem eine SONDERGRÖSSE ist…“ – aber weiter kam sie nicht.
„Sie müssen ALLES zurücknehmen!“. Die Arroganz, die der Kerl an den Tag legte, war unübertrefflich (DACHTE ich zumindest). Ich wäre ihm gern schon allein für den Tonfall an die Gurgel gegangen. Aber ich darf ja leider nicht….

Meine Kollegin ließ sich erstmal überhaupt nicht beeindrucken. Und klärte ihn nochmal darüber auf, was wir annehmen müssen und was nicht. Beziehungsweise, sie versuchte es. Er jedenfalls bestand darauf, dass es ihm egal wäre und nicht sein Problem sei, er habe Pfand für die Flaschen bezahlt und den wolle er jetzt von uns zurückhaben.
Meine Kollegin tat das einzig Richtige, was man bei solchen renitenten Kunden tun kann: sie sagte freundlich, aber bestimmt „Wissen Sie was, ich rufe mal unseren Chef vom Dienst an. Der wird Ihnen das dann sicher gern erklären!“, woraufhin er nur meinte: „Na, da bin ich aber gespannt…“.

Gesagt, getan. Der Chef vom Dienst sicherte sein Kommen zu.
Wie ich bereits erwähnte: es war ziemlich voll. Und dadurch, dass es sich ja nun aufgrund der Diskussion auf der Seite meiner Kollegin natürlich staute, wurde es selbstverständlich auch nicht besser. Meine Kollegin, die ja nun wusste, dass der Chef vom Dienst von oben nach unten herunterkommen musste und das sicher mindestens 2 Minuten in Anspruch nehmen würde, in denen man wunderbar zumindest EINEN weiteren Kunden kassieren könnte, fragte den wartenden Herren also freundlich: „Würden Sie vielleicht ein Stück zur Seite gehen, damit ich in der Zeit schon mal weitermachen kann?“.
Man ist ja hilfsbereit und kooperationswillig. Zumindest manchmal.

Was sagt aber der Mann von Welt, der ja nur im Recht sein KANN?
„Nein.“
Stille.
Nichts weiter.
Unmut bei den Kunden hinter ihm, Unglauben bei meiner Kollegin und mir.
Nein. Einfach nein. Kein Wort mehr.
Dafür ein Gesichtsausdruck zum Reintreten.

Ich konnte es echt nicht glauben. Und meine Kollegin auch nicht, denn sie starrte ihn zunächst nur an und brachte keinen Ton raus. Das nutzte er natürlich aus und schimpfte: „Ich finde das ganz schön frech von Ihnen. Erst machen Sie hier so´n Aufstand und wollen mir meinen Pfand nicht auszahlen, dann telefonieren Sie einfach und dann soll ich auch noch zur Seite gehen?? Ich bleibe schön hier stehen, ihr Kollege kann ja nicht weit weg sein und wird ja wohl gleich da sein!“.
Sie, ganz verdattert: „Ich habe Ihnen doch gesagt, ich hole den Chef vom Dienst! Nicht meinen Kollegen vom Lager. Der Chef vom Dienst ist der stellvertretende Filialleiter, der kommt von oben runter, das dauert eben ein paar Minuten!“.

Ich weiß nicht, ob die Aussicht, gleich mit dem stellvertretenden Filialleiter sprechen zu können, ihn so entrüstete oder so erschreckte…jedenfalls sagte der Kunde nun gar nichts mehr, blieb aber weiterhin trotzig mitten im Weg stehen und hinderte meine Kollegin daran, weiter ihrer Arbeit nach zu gehen. Ich hingegen rotierte, um die Schlange (und vor allem die Aggressionen, die dieser aufgeblasene Schnösel bei mir weckte) abzubauen.

Einer der Kollegen vom Lager kam vorbei und meine Kollegin sagte völlig entnervt zu ihm: „Kannst du den Wagen da bitte mal ein bißchen zur Seite schieben? Ich muss doch hier weitermachen!“ und zeigte auf den Wagen des Kunden, der mit verschränkten Armen arrogant vor sich hinstierte. Da sagt er plötzlich, ohne eine Miene zu verziehen und haargenau den Tonfall meiner Kollegin sarkastisch nachahmend, zu meinem Kollegen, der gerade nach dem Wagen greifen wollte: „Können Sie den Wagen da mal bitte genauso da stehen lassen?“.

Also DAS war echt die Krönung. Sogar sämtlich andere Kunden, die sowieso schon verärgert waren ob der Verzögerung durch diesen Kerl, guckten eben jenen entsetzt bis regelrecht angewidert an. Die Kundin, die gerade bei mir zahlte, sagte (nicht gerade leise): „Wie kann man nur in DEM Alter schon so verbittert und verkniffen sein??“. Und Recht hatte sie! Der Kerl war, wie gesagt, nicht viel älter als ich, wenn überhaupt!! Das finde ich persönlich immer besonders schlimm! Viel schlimmer noch als verkniffene alte Leute.

Er jedenfalls sonnte sich in seinem vermeintlichen Ruhm und fragte mittlerweile penetrant bei jedem einzelnen, der in den Getränkemarkt reinkam: „Ist das der Chef vom Dienst? Ist das der Chef vom Dienst? Ist das der Chef vom Dienst?“. Jeder BLINDE hätte erkennen können, dass das natürlich alles NICHT der Chef vom Dienst war, aber König von und zu Arroganz lebt wahrscheinlich getreu dem Motto: „BLOSS nicht in Vergessenheit geraten!“. Der war hundertprozentig so ein Kind, dass nach 30 Sekunden Fahrt im Auto die „Sind wir bald daha? Ich hab Hunger, ich hab Durst, mir ist langweilig, ich muss Pipi, ich will ein Eis!“-Platte aufgelegt hat und die auch dann nicht abgestellt hat, als die Eltern schon überlegten, was sinnvoller wäre: Suizid oder Aussetzen.
Irgendwann platzte meiner Kollegin dann auch der Kragen und sie sagte: „Sie werden den stellvertretenden Filialleiter schon erkennen, wenn er kommt, keine Sorge!“.

Der kam dann auch. Und erzählte dem Kunden das Gleiche, was auch wir ihm schon erzählt hatten. Der beharrte wieder darauf, den Pfand zu kriegen – allerdings in erheblich sanfteren Tönen. Ein Phänomen, dem man auch sehr gern begegnet: mit den Kassiererinnen, die eh nur blöd und unterste Schublade sind, kann man reden, wie man will. Kommt dann aber der Chef daher, muss man ja Sitte und Anstand an den Tag legen…
Im Endeffekt, ließ der Chef vom Dienst sich auf dem Kompromiß ein, dem Kunden immerhin 8 Cent pro Flasche auszuzahlen, obwohl ihm 15 zugestanden hätten. Der Kunde mäkelte zwar daran rum, ließ sich aber letzten Endes darauf ein und marschierte stolz wie Oskar auf seine Freundin zu. Ich wartete darauf, dass er sich gorillamäßig mit den Fäusten auf die Brust trommeln und protzig „Ugga Ugga!“ oder so rufen würde – das ließ er dann aber doch sein. I

Womit allerdings keiner rechnete, war die Reaktion seiner Freundin. Die fauchte nämlich, laut genug, dass es jeder hören konnte: „Du bist echt UNmöglich! Total peinlich!“. Das erstaunte ihn aber über alle Maßen, dass sie sein Verhalten nicht abgöttisch bewunderte und er wollte gerade was sagen, da giftete sie: „Können wir jetzt wenigstens in RUHE oben einkaufen oder willst du da auch so´n Aufstand machen??? DANN kannste alleine gehen!“ und stiefelte wutentbrannt raus. Er verstand offensichtlich die Welt nicht mehr, beeilte sich, hinterher zu kommen und man hörte sie im Rausgehen wild diskutieren.

Hämisches Grinsen an der Kasse, sowohl von uns, als auch von den Kunden. Als dann noch einer sagte: „Jetzt kriegt er noch nen Ehestreit – ob sein Ego DAS verkraften kann?!“, brach allgemeine Erheiterung aus und jemand anders antwortete: „Also ich an ihrer Stelle würd mich scheiden lassen…“.
ICH auch!
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