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2 Engel für Bielefeld
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Voll behindert ey!
..sind ja so herrlich! Vor Jahren sagte ja mal ein kleines Kind mit großen Augen zu mir bzw. über mich "Großes Baby!", was ich bis heute immer wieder sehr gerne erzähle.
Ansonsten stellen die meisten Kinder einfach nur lautstark fest, dass "die Frau da vorne ja total klein" ist.
Gestern Abend an der Kasse im Penny hab ich mal wieder ein sehr "kreatives" Kind erlebt. Es starrte mich also ein kleiner, etwa 7 jähriger Junge unentwegt mit ganz großen Augen an. Ich hab ihm dann zugezwinkert, denn die meisten Kinder fallen irgendwie in so eine Art Trance wenn sie mich sehen und wenn ich dann irgendwie auf sie reagiere, kommen sie förmlich wieder zu sich und dann ist soweit wieder alles ok. Dieser Junge wirkte natürlich auch als hätte man ihn gerad aus einer Hypnose erweckt und grinste mich erstmal an. Tja und dann fragt er doch tatsächlich: "Bist du eingeschrumpft?" Herrlich, dieses Kind. Ich sagte dann einfach, dass ich nicht geschrumpft sondern einfach nur etwas kleiner sei, von Natur aus quasi. Das fand er scheinbar plausibel, denn er rief ganz laut "BOAH!". Und damit war die ganze Sache gegessen. Hat das gute Kind doch tatsächlich beim Einkauf was dazu gelernt. Nämlich, dass Menschen nicht einfach mal so schrumpfen, sondern dass manche tatsächlich einfach nur klein sind. Sehr schön.
SassyXXS - 27. Aug, 10:16
Noch eine Sache aus Hannover, die ich den treuen Lesern nicht vorenthalten will. Als ich eine halbe Stunde mit Luft im Reifen durch Hannover-City und an einer Gruppe Mädels vorbei fuhr, hörte ich folgedes "Guck mal - wie süüüüüüüß!". Kurz überlegte ich, was sie wohl gemeint haben könnte und ahnte es schon, denn als sie es sagte, stand sie mir direkt gegenüber. Als ich just neben ihr war, kam noch mal "Oh mein Gott wie süüüüüüß!". Also doch. Ruckartig bin ich stehengeblieben und hab sie mit SO einem Blick direkt angeguckt! Ihr sind echt alle Gesichtszüge entgleist und sie starrte blitzschnell in eine andere Richtung. Weil mir meckern zu doof war, ich das Ganze aber nicht unkommentiert lassen wollte, sagte ich einfach "DAS ist peinlich!" und fuhr meiens Weges.
Ganz ehrlich - sowas muss nicht sein! Ich bin zwar klein, aber jeder normale Mensch sieht, dass ich kein Kind mehr bin! Die Dame war etwa 10 Jahre jünger als ich! Ein klitzekleines bisschen Respekt kann ich ja wohl erwarten! Die Tatsache, dass ich sie voll erwischt habe und sie sich so richtig schön blamiert hat, verschafft mir Genugtuung! An diese Peinlichkeit wird sie sich noch ein 20 Jahren erinnern, ich schwörs...!
SassyXXS - 7. Mrz, 21:43
ist das ein Problem. Das habe ich heute am eigenen Leib erfahren dürfen. Dennis und ich sind mit dem Zug zur Cebit nach Hannover gefahren. Im Anschluss daran wollten wir in die Innenstadt, ein bisschen in den Geschäften gucken. So kamen wir also gegen Mittag mit der S-Bahn wieder am Hauptbahnhof an, nachdem wir schon 4 Stunden auf der Cebit rumgelaufen waren, und suchten uns was zu essen. Plötzlich hubbelte mein Rollstuhl verräterisch. Böses ahnend schaute ich nach unten und was sah ich? Nur noch etwa 1/3 Luft auf dem linken, vorderen Reifen. Der Grund allen Übels war schnell ausfindig gemacht: Eine Reißzwecke steckte im Rad. Innerhalb kürzester Zeit war der Reifen praktisch Luft-frei! Nun, was tut man in einer fremden Stadt, wenn man auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen ist, dessen eines Vorderrad jedoch auf der Felge fährt und den Rad-Mantel nur noch schlabberig mitschleift? Richtig – fluchen und nach einer Lösung suchen. Zwar war ich erst noch der Meinung, ich könne so noch ein paar Geschäfte aufsuchen, gab diese Idee jedoch schnell wieder auf, als der Mantel drohte, von der Felge zu rutschen. Wäre das passiert, hätte ich wirklich keinen Meter mehr fahren können. Wir also mit Ach und Krach zum Service-Point der Deutschen Bahn und gefragt, ob es in der Nähe einen Fahrradladen gäbe oder ob man uns sonstwie helfen könnte. Die Dame am Schalter war sehr nett und hat wirklich alle ihr zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung gesetzt – sie hat sogar ihren Freund, einen Fahrradfreak, angerufen, der sämtliche Fahrradhandel in der Nähe abtelefoniert hat. Leider war das wenig erfolgreich und so hat Dennis mich in einem Eiskaffee abgesetzt und ist zu Karstadt-Sport gelaufen um dort Flickzeug zu holen. Währenddessen kam die Bahn-Dame nochmal zu mir und sagte, sie habe mit dem Personal vom Fahrradverleih gesprochen und die hätten Werkzeug da, sodass wir das Rad abbauen konnten. Nach 20 Minuten kam Dennis völlig abgehetzt wieder und hatte Flickzeugs dabei. Wir also hubbelnd zu besagtem Fahrradverleih. Dort stand auch ein großer Werkzeugschrank…nur leider gab es genau 2 Sechskantschlüssel – keiner passte. Schade. Rad ab- und auseinandernehmen ging also auch nicht. Dann kamen wir auf die schlaue Idee, den Reifen einfach nochmal aufzupumpen und zu hoffen, dass es dann erstmal hält und oh Wunder – ich konnte genau eine halbe Stunde fahren. In der halben Stunde konnte ich wenigstens das erledigen, was ich unbedingt machen wollte. Etwa 20 Minuten, bevor unser Rückzug fuhr, wollten wir das Rad nochmal aufpumpen – leider riss dann das Ventil ab, sodass auch diese Option hinüber war. Weil das natürlich nicht eingeplant war, kamen wir genau 4 Minuten vor Zugabfahrt am Bahnhof an, aber alle Bahnbediensteten waren super nett und der Zug hat sogar auf mich mit meinem Plattfuß gewartet. Zu allem Überfluss mussten wir auch noch umsteigen und ganz am Schluss noch in Bielefeld vom Bahnhof nach Hause gehen. Ganz ehrlich – wir haben beide nicht wirklich daran geglaubt, noch einigermaßen heile zu Hause an zu kommen. Wie durch ein Wunder haben wir es aber doch geschafft. Zu Hause haben wir übrigens auch einen Ersatzschlauch und das passende Werkzeug! Das ist mir jedenfalls eine Lehre und ich werde ab sofort immer einen Schlauch und einen entsprechenden Sechskant mitschleppen!
Wenn man als Mensch mit Behinderung durch die moderne Technik ein halbwegs freies und selbstständiges Leben führen kann, wird einem in solchen Momenten mit aller Macht bewusst, wie aufgeschmissen und eingeschränkt man ohne die technischen Hilfsmittel wäre!
Danke an dieser Stelle an die Bahnmitarbeiter und alle anderen, die mir so nett geholfen haben und mit mir gelitten haben ;-)

SassyXXS - 7. Mrz, 21:42
Ich wachte heute Morgen mit rasenden Kopfschmerzen auf. Da das wahrhaftig kein guter Start in den Tag ist, erwägte ich kurz, einfach liegen zu bleiben. In einem Anflug von Selbstgeißelung quälte ich mich dann doch aus dem Bett. Mit einer Tasse Kaffee und immer noch brummendem Schädel schlug ich meine all morgendliche Neue Westfälische auf und musste dann etwas lesen, was mich den Wunsch verspüren ließ, mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen. Die NW titelt "Was erlauben Fans? Tribüne leer! Arminia überlegt, wie mehr Zuschauer ins Stadion gelockt werden können". Dieser Artikel, in dem beklagt wird, Arminia könne nur selten die 20.000er-Marke vollmachen, weckt in mir böse Erinnerungen. Zur Vorgeschichte sei gesagt, dass ich seit der Saison 96/97 ganze 6 Jahre lang Dauerkarteninhaberin war und wirklich jedes Heimspiel und unzählige Auswärtsspiele miterlebt habe! Im Schlepptau hatte ich immer diverse Freunde, die allesamt ebenfalls eine Dauerkarte besaßen! Die Situation der Rollstuhlplätze war vor dem Stadionumbau die, dass sich die Rollis vor der nun nicht mehr vorhandenen Stehtribüne (jetzige Haupttribüne) immer incl. einer Begleitperson aufgestellt haben. Man kaufte als Rolli eine ermäßigte Stehplatzkarte und wenn man einen entsprechenden Schwerbehindertenausweis hatte, kam die Begleitung kostenlos mit ins Stadion. Schon damals war die Platzsituation recht beengt, es wurde nach dem Motto verfahren "wenn voll, dann voll". Die Rolliplätze erstreckten sich über die ganze Tribünenlänge, und in Spitzenzeiten stand Rolli neben Rolli, teilweise in zweiter Reihe ebenfalls, man kann sich also die Anzahl ungefähr ausrechnen.
Nach Beginn meines Studiums und privater "Umorientierung" kaufte ich mir keine Dauerkarte mehr und ging jahrelang gar nicht mehr ins Stadion! Erst mit Dennis kam der Wunsch, endlich mal wieder ins Stadion zu gehen, wieder auf! In der Saison 07/08 wollten wir uns mal eine Einzelkarte für irgendein Spiel kaufen. Ich bin also zur Geschäftsstelle gefahren und wunderte mich schon über den erstaunten Blick, den man mir zuwarf, bevor ich überhaupt irgendwas sagen konnte. Als ich dann meinen Wunsch, eine Rolli-Karte für Spiel "Arminia gegen XY" kaufen zu wollen kundtat, entgegnete man mir mit großer Belustigung, dass es für die 40 (!) Rolliplätze keine Einzelkarten mehr gäbe, denn der Großteil sei mit Dauerkarten besetzt und die wenigen Einzelkarten seien schon für die nächsten 3 Spiele alle weg. Auf meine Frage, wie das denn sein könne, früher wäre es doch so und so gewesen, schüttelte die Dame ernsthaft den Kopf und sagte, das wäre nie anders gewesen. Auch auf meine Antwort, ich wäre doch 6 Jahre Dauerkarteninhaberin und bei jedem Spiel gewesen, blieb sie dabei. Jaja, die dumme Behinderte hat ja eh keinen Plan, muss sie wohl gedacht haben. Nach dieser Enttäuschung verlief sich dann der Wunsch, ins Stadion zu gehen, erstmal wieder.
Einen neuen Anlauf wollten Dennis und ich nun Anfang dieser Saison wagen und dachten uns, eine Dauerkarte wäre doch die Lösung des Problems! So haben wir uns am 1. Verkaufstag direkt in die morgendliche Schlange der Wartenden vor der Geschäftsstelle eingereiht. Als wir an der Reihe waren, schwante mir schon böses, als die Dame am Tresen uns abermals sehr verwundert ansah. Eine Dauerkarte? Nein, die können wir nicht bekommen, die seien schon alle weg. Die Kartenbesitzer der vorigen Saison haben ein Vorkaufsrecht auf die jetzige Saison und außerdem ginge ein Großteil der Karten nach Bethel. Möglicherweise würde der ein oder andere aber von seinem Vorkaufsrecht nicht Gebrauch machen. Schon ziemlich wütend bat ich darum, mich doch auf eine Art Warteliste zu setzen und mich zu benachrichtigen, falls eben dieser Fall einträte. Nein, das ginge nicht, wurde gesagt. Erstaunlicherweise konnte jedoch die Kundin vor uns, die eine Stehplatzdauerkarte haben wollte und keine bekam aufgrund des o.g. Vorkaufsrechts, sehr wohl auf eine derartige Warteliste gesetzt werden!
Nun könnte man sagen hey, Arminia hat ja von euch Rollis auch nichts, immerhin kommt ihr incl. Begleitung fast für lau ins Stadion! Man vergisst dabei aber, dass manche Behinderte auch Freunde haben und diese auch wieder Freunde, welche alle mitgezogen würden, wenn denn der Behinderte eine Dauerkarte bekäme! Ich hätte z.B. sicher bei fast jedem Spiel 2-3 zahlende Zuschauer mitgebracht! Wir hätten Getränke und Essen gekauft und vielleicht sogar den ein oder anderen Fan-Artikel, um die alte Lieber wieder aufflammen zu lassen!
Man muss sich das mal vor Augen führen: Ein Stadion für 27500 Zuschauer hat 40 Plätze für Rollstuhlfahrer, was genau 0,15 % entspricht und das in einer Stadt wie Bielefeld, in der durch Bethel Behinderte und speziell Rollstuhlfahrer zum Stadtbild gehören! Von diesen paar mickrigen Plätzen sind die meisten durch Dauerkarten besetzt, wovon diverse gar nicht erst in den Verkauf gehen sondern direkt an Bethel oder dergleichen weitergegeben werden!
Die restlichen, frei verkäuflichen Karten gehen vermutlich direkt an die Gastvereine, da ja auch von dort regelmäßig ein paar Rollis zu erwarten sind! Als gut integrierte, am öffentlichen Leben teilnehmende Rollstuhlfahrerin, hat man also schlicht keine Möglichkeit, an eine Dauerkarte, geschweige denn an eine Einzelkarte zu kommen! Noch dazu wird man in der Geschäftsstelle behandelt als wäre man nicht ganz richtig im Kopf!
Arminia sucht auf der einen Seite Zuschauer, schließt aber auf der anderen Seite die aus, die eigentlich gern kommen wollen und vergrault dadurch auch mittelbar weitere zahlende Kundschaft! Fans macht man sich so jedenfalls nicht!
Was man hätte besser machen können, könnte man nun noch fragen. Nun ja, zum einen hätte man beim Stadionumbau direkt mehr Rolliplätze bauen könne, z.B. auch dort, wo sie früher waren, also auf der Seite der neuen Haupttribüne! Zumindest aber müssten die Vergaberegelungen für die wenigen Karten andere sein, damit auch der "normale Rollstuhlfahrer von Nebenan" eine faire Chance hat, eine Karte zu bekommen! Irgendeine Lösung würde es schon geben! Aber daran scheint Arminia wohl kein Interesse zu haben…
Meine Kopfschmerzen sind mittlerweile besser geworden und ich erwäge, das hier auch noch als Leserbrief an die NW zu schicken. Dürfte dafür aber wohl schon etwas zu lang sein. Wie ich es allerdings kürzer schreiben soll, weiß ich gar nicht. Ich hoffe einfach mal, es lesen hier die entsprechenden Leute mit!
SassyXXS - 20. Feb, 10:06
Ich möchte mich an dieser Stelle mal bei all den lieben Leuten bedanken, die mir täglich von ganz allein ihre Hilfe anbieten! Immer wieder werde ich überrascht davon, wie selbstverständlich das Helfen für die Menschen zu sein scheint. Faszinierend ist auch, dass sich die Hilfsbereitschaft durch alle Schichten, alle Nationalitäten und durch jede Altersgruppe zieht! Schon Achtjährige bieten mir ihre Hilfe an und freuen sich sehr, wenn ich ihre Hilfe dankend annehme! Auch süße Typen im passenden Alter ;-) lassen es sich nicht nehmen, mal nachzufragen, ob sie denn irgendwas für mich tun könnten!
Wir aufmerksam die Leute sind, ist wirklich beeindruckend! Da wird sogar auf dem Absatz kehrt gemacht und zurückgelaufen, da wird auf dem Fahrrad ne Vollbremsung hingelegt oder beim schwedischen Möbelriesen durch die Gänge gebrüllt "Hey, brauchst du Hilfe?".
Ich war schon in so vielen Städten, aber die Hilfsbereitschaft der Bielefelder ist mit Abstand am ehrlichsten, am selbstverständlichsten. Sie wirkt nicht gezwungen, nicht "weil man das ja so macht". Und sie sind nicht sauer, wenn man sich bedankt und sagt, man kommt alleine klar! Sie freuen sich darüber, dass mans auch alleine schafft! Und doch werden sie alle wieder ihre Hilfe anbieten, weil sie wissen, dass ich mich über ihre Hilfsbereitschaft gefreut habe!
Ostwestfalen sollen stur sein? So ein Quatsch! Die Bielefelder sind die Besten!
SassyXXS - 30. Okt, 00:18
Ich steh heute mit meinem Körbchen anner Kasse! Lege schön ein Teil nach dem anderen auf das Band, da quäkts von hinten "Soll isch hälfä?" Ich guck mich um da packt eine ziemlich resolute Chinesin auch schon in mein Körbchen und ich kann nur noch "ähm..ja ..." brabbeln und sie räumt munter los. Dabei quäkt sie weiter irgendwas, was ich nicht verstehe. Ich murmel so "ja man KÖNNTE ja auch mal abwarten ob ich ja sage.." und sie quietscht "JAJA" und macht weiter. Hm. Ich muss geguckt haben wie ein Auto, die Kassiererin grinste sich einen und fragte dann als sie abkassierte ganz nett "Soll ich ihnen das gleich einpacken?" und wartete sogar meine Antwort ab, ich hab das natürlich dann dankend angenommen! Ich habe mir vorgenommen, mir in Zukunft die Hilfe nicht mehr einfach aufdrängen zu lassen! Jawohl!
SassyXXS - 12. Jul, 00:03
...die gibts garnicht! Bist du behindi, ziehst du all die Verrückten magisch an, dafür brauchste dann noch nichtmal irgendwo an der Kasse sitzen! Sie kommen einfach von allen Seiten!
Samstag z.B. nach dem Mitternachtsshopping, etwa gegen 1 Uhr Nachts in der Bielefelder Altstadt! Nele und ich machten uns gerade auf den Heimweg von einem kleinen Cafe, als von Weitem ein ca. 50jähriger Typ irgendwas in unsere Richtung brüllte. Nele fühlte sich garnicht angesprochen, aber ich wusste gleich, dass ich gemeint war. "Ey..." rief er. Ich "Hm?" "Ey, wie ist das passiert? Von Geburt an oder was?" (ja, wortwörtlich und in was für einem Ton...!) Wir gingen einfach weiter und ich, ziemlich angenervt von dieser Unverschämtheit, konterte "Das geht dich garnix an!". Tuts ja auch nicht, außerdem sah man, dass der Typ total besoffen war und sich kaum noch gerade auf seinem Stuhl halten konnte! "Ey ich bin Arzt!" rief er wieder. Meine Güte mussten wir lachen! "Ja siiicher! Wenn dem so wäre, müsstest dus ja wohl besser!" rief ich und ich denke, diese doch recht lautstarke Konversation haben X Leute mitbekommen! Aber mal im Ernst...wäre er wirklich Arzt müsste er zumindest Wissen, dass Kleinwuchs im Normalfall eher von Geburt an vorhanden ist und man nicht z.b. durch eine zu heiße Wäsche schrumpft...haha! Meine Güte...Wir hörten dann im Weitergehen noch "Ich bin wirklich Arzt! Ich bin Aaaaaaarzt! Wirklich!". Passt scho...
Montag im Supermarkt noch son Fall! Ich wollte Kirschen wiegen. War schon mit dem Sitzhub hochgefahren und hatte die Tüte gerad auf die Waage getan, da kommt die Verkäuferin von der Seite, reißt mir die Tüte weg (!) und sagt "Komm, ich helf dir (!) mal!". Ich dachte ich spinne! Ich freue mich wirklich, wenn Leute ihre Hilfe anbieten, aber ich freue mich nicht, wenn sie mir ungefragt aufgedrängt wird, und schon garnicht auf diese Art und Weise! Außerdem kann ich es nicht leiden, wenn ich in diesem Zusammenhang auch noch geduzt werde! Ich hab normalerweise mit sowas echt kein Problem, aber irgendwann ist ja nun echt mal gut! Ich hab der guten Frau ähnlich rabiat die Tüte wieder entrissen mit den Worten "Vielen Dank, DAS kann ich gerade noch selber!". Ich bin niemand, der Hilfe nicht annehmen kann, aber auch ich habe meinen Stolz und lege Wert drauf, anständig und mit dem nötigen Respekt behandelt zu werden! Die Tage, in denen Behinderte in der Opferrolle ihr Darsein fristeten und für jede erdenkliche Hilfe aus Dankbarkeit den Boden des rettenden Samariters küssen mussten, sind in meinen Augen lange vorbei!
Zu guter Letzt noch eine Sache, die sich gerade die ältere Generation bitte mal hinter die Ohren schreiben möchte: Man grabbelt keine fremden Menschen - seien sie noch so behindert - an, kneift ihnen in die Wange, tätschelt sie auf dem Kopf oder sonstwo! Selbstverständlich dürfen Sie sich mit mir unterhalten und ich verstehe auch durchaus Spaß, sogar solchen, der auf meine Kosten geht, denn glücklicherweise nehme ich mich nicht sonderlich ernst und bemittleide mich kein Stück! Aber verdammt nochmal: Behalten Sie Ihre Griffel bei sich! An besagtem Montag, nach der Aktion mit der Kirschen-Verkäuferin, meinte nämlich ein recht betagter Herr, einen auf Superkumpel machen zu müssen und streichelte mir zum Abschied nochmal ordentlich über die Wange! Ich traf ihn zuerst in der Tiefkühlabteilung, da machte er Witze über meine Kirschen "na, sind das auch wirklich Kirschen? Da muss ich doch mal probieren!" - haha, ich lach mich tot. Später traf ich ihn wieder, worauf er spaßeshalber meinte, ich würde ihn verfolgen. Ich sagte, er würde wohl eher MICH verfolgen. "Ist das nicht toll, von Männern verfolgt zu werden?". Ja, unglaublich. Besonders von Ihnen. Hab ich mir zumindest gedacht. Dann kam der Wangenstreichler, und ich bin gaaaanz schnell weg!
Bin gespannt, was noch alles kommt!
SassyXXS - 1. Jul, 19:02
Wenn man als kleiner Mensch im Rollstuhl bei gutem Wetter das Gefühl hat, man müsse mal wieder den Tierpark besuchen, muss man sich im Klaren darüber sein, dass dort naturgemäß nicht nur Tier-, sondern auch Menschenkinder rumlaufen! Und wenn man dann kein dickes Fell hat, kann das schnell zum Spießrutenlauf ausarten. Aber da ich das ja mittlerweile gewohnt bin, sind Dennis und ich also losgezogen - Viecher gucken. Neben starrenden und kichernden Kindergruppen möchte ich von zwei "Erlebnissen" berichten:
Wir kommen zu den Ponys und da guckt eines durch den Zaun, weswegen ich natürlich gleich da hin muss - Ponys müssen ja gestreichelt werden, klar. Da kommt ein kleiner Junge an und fragt ganz ungeniert "Wie alt bist du?". Ich kenn das ja, also sag ich "Na, was glaubst du denn?". Er "Gaaaaaaanz jung!". Na danke *g*. Ich sag also "Ich bin viel älter als du!". Er "Ich bin vier!" Ja und als ich ihm dann sagte ich sei 26, machte er große Augen. Hab ihm gesagt dass es manchmal auch kleine Menschen gibt, die schon älter sind. Fragt er "Warum bist du denn so klein?" Und ich wollte ihm kindgerecht erklären, dass ich einfach nicht mehr weitergewachsen bin. Und was macht Dennis? Sagt dem Kurzen, ich hätte mein Gemüse nicht immer aufgegessen! Klang für mich logisch und pädagogisch wertvoll, die meisten Mütter beklagen sich ja ob ihrer kleinen Gemüsemuffel. Tja, das fand die Oma aber garnicht. Sie schimpfte, das könne man doch nicht sagen, da würd der Junge nachher noch Angst kriegen, dass ihm auch sowas passiert, wenn er sein Essen nicht aufisst. So hatte ich das noch garnicht gesehen. Naja, fand ich bißchen übertrieben und ich vermute mal, der Kleene wäre da nie drauf gekommen, wenn Omma das nicht gesagt hätte! Typisch, echt! Naja, hab Dennis gesagt, er solls nicht mehr tun, wir wollen ja keine Kinder zu Phobikern erziehen!
Tja und nachdem wir die Wildschweine besucht hatten, geht eine Mutter mit som kleinen Jungen vorbei und was sagt der? "Boah ist die dick!". "WAT?" hab ich nur ausgerufen, die Mutter hat peinlich berührt gegrinst und ich war um eine neue Erfahrung reicher! Also DAS hab ich echt noch nie gehört! *heul*
Aber es gab auch süße Kinder, die einfach von "dem tollen Auto" begeistert waren! Die wollen dann immer mit- oder gleich selber fahren! Geht natürlich nicht! *g*
Tja, und so habe ich heute mal wieder viel erlebt!
SassyXXS - 28. Mai, 20:52
Neulich auf einer Familienfeier von Dennis Family. Wir waren relativ früh da, sodass ich mich schnell auf einen Stuhl setzen konnte. Den ganzen Nachmittag fiel daher nicht weiter auf, dass ich mit meinen geraded mal 105 cm Körpergröße etwas kurz geraten bin.
Gegen 19 Uhr wollte ich dann doch mal aufstehen und hüpfe mit einem Satz vom Stuhl und lande GENAU vor der Nase der zwei kleinen Neffen von Dennis, 2 und 4 Jahre alt. Ich vermute, diese Situation werden die beiden NIE in ihrem Leben vergessen. Der jüngere war wohl etwas überfordert mit der Situation und schrie in einer Tour "NEIN NEIN NEIN" sodass Vaddern ihn schnell wegbrachte. Tja und der ältere lief daraufhin zur Höchstform auf und fragte mir Löcher in den Bauch, während die gesamte Familie interessiert das Geschehen verfolgte.
Man muss sich vor Augen führen, dass ich exakt genauso groß bin wie der Vierjährige, nur halt eben doch nicht unbedingt aussehe, als wäre ich vier (hoffe ich...). Es trug sich in etwa folgender Dialog zu:
"Du bist ja ganz klein!"
"Ja genau!"
"Warum bist du so kein?"
"Weil der liebe Gott mich so gemacht hat!"
"Und warum hat der liebe Gott dich so gemacht?"
"Weil er manche klein macht und manche groß!"
"Aha...was ist das?" (Deutete auf meinen Rollator, eine Gehhilfe mit Rädern)
"Damit kann ich laufen, ohne würde ich umfallen! Du kannst ja ohne laufen, ich nicht"
"Ja, guck das geht so" - macht es mir vor!
"Ja ich weiß aber ich kann das nicht!"
"Darfst du schon einkaufen?" (!!!)
"Ja darf ich!"
"Warum darfst du das schon?"
"Weil ich schon 26 Jahre alt bin!"
"Wow!...Hast du ein Auto?"
"Ja!"
"Das hier?" - deutet auf den Rollator!
"Nein ein echtes!"
"Aha...hast du denn einen Führerschein?"
"Ja!"
"Wo ist der?"
"Hier in der Tasche, willst du ihn sehen?"
"Ja"
"Nö vergiss es!" (unglaulich...*g*)
"Warum hast du so kleine Schuhe?"
"Weil es komisch aussähe wenn ich größere Schuhe hätte"
"Was ist das?" - deutet auf meinen Ring!
"Ein Ring!"
"Achso!"
Daran kann man mal sehen, was für geistreiche Gespräche man als Mini-Mensch mit kleinen Kindern führen muss...ich habe mich wirklich köstlich amüsiert :-)
SassyXXS - 3. Mrz, 23:49
Weihnachten ist ja eigentlich ganz schön. Weihnachtsmarkt und der darauf käuflich zu erwerbende Glühwein grundsätzlich ja auch. Blöd nur, wenn man als Rollstuhlfahrer die Geduld eben NICHT mit Löffeln gefressen hat und gerne so schnell wie sonst an sein Ziel - den Glühweinstand - gelangen möchte. Man befindet sich die meiste Zeit mit dem Kopf auf der Arschhöhe der anderen und versucht krampfhaft nicht daran zu denken, was der ein oder andere gerade für Ausdünstungen von sich gibt oder was passieren mag, wenn mal wieder einer das Gleichgewicht verliert und unfreiwillig auf deinem Schoß platz nimmt. Bedenklich erscheinen mir auch all die Glühweintassen in den Händen der Menschen, die so aussehen, als würden sie nur darauf warten, sich über mir zu ergießen. Bisher ist das noch nie geschehen, aber ich ahne Böses... Wenn ich mich also durch die Menschenmengen wühle passiert es regelmäßig, dass vor mir irgendwelche Leute irgendwelche Bekannten treffen und sich spontan entschließen, genau jetzt und genau an diesem Ort alte Erinnerungen auffrischen zu wollen. Dieses führt dann meist zu unfreiwilligen Auffahrunfällen und darauf folgenden, halsbrecherischen Wende- und Überholmanövern meinerseits, nicht selten gepaart mit ein paar überrollten Füßen dadurch, dass ich bzw. mein Rollstuhl leider ein etwas sehr ausladendes Hinterteil habe. Aber ich kann es leider nicht ändern, ein bisschen Schwund ist immer. Und zu Weihnachten, da verzeiht man ja dem armen, behinderten Mädchen diese kleine Unachtsamkeit gerne mal.
Eigentlich sollte ich es lassen, aber ich kann es nicht. Ich werde mich gleich wieder ins Gewühl stürzen und mich
durch die Massen kämpfen. Es scheint mir wie eine Sucht.
Oh du fröhlicher Glühwein.
SassyXXS - 16. Dez, 15:15
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