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2 Engel für Bielefeld
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stud.iur.
Dennis und ich haben heute morgen ganz normal gefrühstückt. Unter anderem hatten wie Ei. Was sich dann zutrug beschreibt eindrucksvoll, was die ganze Jura-Lernerei aus mir macht: Ein Alltags-Wrack. Ich nehme also den IKEA-Salzstreuer in Form einer Flasche, in deren Deckel sich Köcher (zum Streuen...) befinden, und schraube in aller Seelenruhe den Deckel ab. Ich lege ihn auf den Tisch und kippe dann, als wäre es das Normalste der Welt, den ganzen Inhalt des Salzstreuers über mein Ei. Erst als mein Ei eine eindrucksvolle Salz-Haube trägt und sich rings um den Eierbecher eine schöne Schneelandschaft formt, kapiere ich, was ich da eigentlich tue. Dennis, der meine geistigen Aussetzer mittlerweile ja kennt, guckt nur doof, schüttelt den Kopf und isst weiter. Und so sitze ich da mit meinem Salz mit Ei, und ich lache still in mich hinein, bis mir stumme Tränen über die Wangen rinnen... .
SassyXXS - 10. Feb, 23:44
Dass es in Deutschland die seltsamsten Gesetze gibt, ist einhellig bekannt. Daher bleibt es mir bisweilen nicht erspart, einem dieser an geistigem Niveau nicht zu überbietenden Normen auf meiner Reise durch den Paragraphenwald zu begegnen. Im BGB gibt es jedoch 4 dieser lästigen Dinger, denen ich (unbewusst) mein gesamtes bisheriges Studium aus dem Weg gegangen bin. Dies hatte entsetzte "WAAAS? Die kennst du nicht?"-Schreie zur Folge, als ich ahnungslos fragte, was denn die Witzchen über die lieben kleinen Bienchen zu bedeuten hätten! Jetzt weiß ich es.
Es ist nämlich so: Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in aller Ausführlichkeit das Sachenrecht, also wer wann wie Eigentum an was erlangen und verlieren kann. Und da ja heutzutage etwa jeder Dritte einen Bienenschwarm sein Eigen nennt, liegt es ja wohl nahe, das Eigentum daran gesetzlich zu regeln. Ist ja logisch. Das sehen wir ja alle ein. Und da es so viele Bienenschwärme gibt, findet man ja auch manchmal einen einfach so auf der Straße. Da fragt sich der findige Bürger: Darf ich den behalten? Nach § 958 BGB kann man u.a. dann das Eigentum an einer Sache erlangen, wenn man sie findet und sie herrenlos ist. Aber wann ist nun der Bienenschwarm, den ich da eben gefunden habe, herrenlos? Schnell in § 961 BGB gesprungen und wir erfahren, dass ein Bienenschwarm dann herrenlos wird, wenn er auszieht und sein Eigentümer ihn nicht unverzüglich verfolgt! Ja richtig, der Eigentümer soll, wenn er weiter ein solcher bleiben will, seinen Arsch hochschwingen und ratzfatz hinterher rennen. Blöd nur, wenn der Bienenschwarm links von meinem Grundstück ist, der (noch) Eigentümer aber rechts? Darf der denn einfach so mein Grundstück betreten? DARF ER! Das sagt uns § 962. Und jetzt kommt es noch dicker: Wenn der verwirrte Bienenschwarm beim Nachbarn Pachulke in dessen leerstehnde Bienenwohnung (!) einzieht (vielleicht weil auch sein Schwarm das Weite gesucht hat?) dann darf doch glatt der eigentliche Eigentümer so mirnichts dirnichts diese neue Wohnung aufmachen und die Waben rausnehmen oder brechen, um seine Jungs wieder nach Hause zu holen. Pah - nichtmal ein Hausrecht haben die Armen! ABER was wäre, wenn Nachbar Pachulkes Schwarm noch zu Hause wäre und der neue Schwarm einfach als Untermieter mit einzöge? JA DANN HAT ER EIGENTÜMER DIE ARSCHKARTE! § 964 sagt uns, dass die Vermischung von Bienenschwärmen in einer Bienenwohnung dazu führt, dass der Eigentümer der Bienenwohnung auch Eigentümer der neuen Bienen wird! Ist das nicht unglaublich? Glück hat derjenige Bienenschwarmeigentümer, dessen Schwarm sich mit einem anderen Schwarm auf weiter Flur vereinigt (wer weiß schon,wofür...) - da werden nämlich Eigentümer A und Eigentümer B Miteigentümer. Da meist aber Bienen keinen Ring am Fuß tragen, bleibt den beiden nur das anteilige Eigentum am vermischten Schwarm entsprechend der Menge des jeweiligen Einzelschwarms. Alls nachzulesen in § 963. Aber - liebe Bienenschwarmeigentümer - immer an das Verfolgen denken, denn sonst könnt ihrs vergessen!
In diesem Moment wird mir wieder einmal bewusst, wie schön das Jura-Studium sein kann...*g*
SassyXXS - 9. Jun, 17:16
Heute ist wieder einer dieser Tage, wo ich mal ein totales Brett vorm Kopf habe! Das Ding is mit Sicherheit aus Tropenholz, 500 Jahre alt und unkaputtbar. Klasse.
Die letzten Lerntage haben wunderlicherweise wirklich mal was gebracht, aber nicht so der heutige.
1. Problem: Ich muss ein neues Rechtsgebiet anfangen, nämlich Verwaltungsrecht.
2. Problem: Ich konnte das nie besonders gut, heißt im Klartext: Wenn ichs jetzt nicht kapiere, dann ist jedenfalls der verwaltungsrechtliche Zug abgefahren!
3. Problem: Ich kann mich nicht aufraffen. Ich bin schrecklich unmotiviert!
4. Problem: Nur noch 7 Monate bis zu den Klausuren. Klingt viel, ist aber wenig, bei der Stoffmenge!
5. Problem: Ich bin online-Poker-süchtig. Wieso genau bin ich nicht lernsüchtig? Das wüsste ich gerne.
Immerhin habe ich schon meine Verwaltungsrechtunterlagen zum Lernen rausgesucht. Ja, man fühlt sich besser, wenn man zumindest die Unterlagen sortiert und bereitlegt. Man bildet sich vielleicht unterbewusst ein, man könnte alleine durch das Berühren des Papiers das Wissen mit den Fingerspitzen einsaugen....
Um Gottes Willen Saskia, was schreibst du da? Ich glaub ich brauch frische Luft...!
SassyXXS - 4. Mai, 16:25
Klausurenkurs ist scheiße. Jeden Freitag und Samstag (!) eine 5-stündige Klausur zur Übung schreiben grenzt an Selbstgeißelung. Nur dass kein Blut spritzt. Wer sich das aber freiwillig antut, der hat schon irgendwie nen Knall. Tja, damit habe ich mich als Knall-Haber geoutet. Blöd, aber nicht zu ändern.
SassyXXS - 18. Feb, 20:08
Nabend allerseits!
Wie jeder halbwegs normale Jurist bzw. jeder, der mal ein solcher werden will, besitze auch ich diese lustigen, dicken roten Wälzer, die in jeder Gerichtsshow vorne links oder rechts im Bild auf dem Tisch als eine Art Mahnmal ("Halte dich an Recht und Ordnung, du Flegel!") fungieren.
Einen dieser Wälzer, nämlich den Sartorius, habe ich gratis (ich meine "einkalkuliert" - An dieser Stelle ein Gruß an Dennis :-P) zum Abo einer juristischen Zeitschrift dazu bekommen. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wie teuer die Teile sind.
Alle diese besagten roten Bücher muss man auf dem Laufenden halten und etwa jedes halbe Jahr eine Ergänzungslieferung einsortieren. Weil dies aber nun wirklich eine SCHEISS Arbeit ist, schiebt man das gerne vor sich her. So geschehen auch jetzt bei mir. Weil nun aber das Grundgesetz TIEFGREIFENDE Änderungen erfahren hat in der letzten Zeit und wir im Repetitorium gerade genau DAS besprechen, musste ich nun in den letzten Tagen 3 Lieferungen in meine Sartorius einsortieen. DREI! Heute die letzte! Und ich sag euch was - ich bin fertig! Eindeutig! Das Spielchen geht nämlich so:
Dickes Buch auf - alle Seiten rausnehmen und dann hübsch der Anleitung nach eine bestimmte Seite aufschlagen, 3 Seiten raus, 3 neue rein, und immer so weiter. Mal 1 Seite, mal 30 Seiten...Ätzend! Wenn man das etwa 15 Minuten gemacht hat, kommt man so langsam durcheinander, nimmt zuviel raus und packt die Seiten an der falschen Stelle wieder rein. Dann passiert es, dass man später einen bestimmten Paragraphen sucht und die Seite dann leider nicht da ist. Schade, wirklich. Am Ende, wenn man fertig ist, sieht das einst recht ansehnliche Werk eher aus wie ein gerupftes Huhn. Jedenfalls bei mir. Wenn jemand weiß, wie man die Seiten einsortiert und hinterher alles immernoch schön ausieht, möge er sich bitte bei mir melden.
So, die nächste Ergänzungslieferung kommt im März. Bis dahin habe ich Ruhe. Puh!
SassyXXS - 8. Feb, 19:07
Ja das will ich. Leider das nicht so einfach. Und da Jura ja bekanntlich eins der lernintensivsten Studienfächer überhaupt ist, hab ich noch ne Menge Arbeit vor mir. Ich bin jetzt quasi in der Zielgeraden des Jurastudiums angelangt und will euch von nun an an meinem Leid teilhaben lassen.
Als ich 2002 mit dem Jurastudium begann, waren die Examenskandiaten mit den großen, roten Büchern für mich wahre Götter der Juristerei. Was müssen diese Menschen vor Wissen strotzen, dachte ich mir. Und so machte ich mich damals auf, den heiligen Gral von Recht und Ordnung und der Allwissenheit schlechthin zu ergründen!
Heute - 5 Jahre später - bin ich längst wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt und habe festgestellt, dass Examenskandidaten doch keine Götter, sondern normale Menschen sind. Von Allwissenheit sind wir alle leider auch weit entfernt!
In den letzten 5 Jahren habe ich mich durch Tonnen von Büchern gewühlt, für die ich ein Vermögen ausgegeben habe und die nun meine heimischen Regale zieren. Ich habe unzählige Kopierkarten verbraucht und mir einen Bruch gehoben an all den schweren Ordnern mit Aufsätzen und Fallösungen, die ich mir in mühsamer Kleinstarbeit zusammengesucht habe. Ich habe mir die Finger wund geblättert in den Gesetzen und bin verzweifelt, wenn ich die Ergänzungslieferungen in meine mittlerweile 3 dicken roten Wälzer einsortiert habe.
Ob Jura trocken ist? Das werdet ihr demnächst hier erfahren ;-)
SassyXXS - 31. Jan, 19:30
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